Das Institut vertritt Forschung und Lehre im Fach Philosophie in einem engen Dialog mit den übrigen Instituten. Es befindet sich zur Zeit noch in der Startphase. Unter diesem Vorbehalt sind Ziele, Aufbau und Modula- risierung des Studiums zu sehen. Gleichwohl können mit Studienbeginn im Jahre 2007 Studienbewerber aufgenommen werden.

Institutsleitung:  Prof. Dr. G. Holst (kommissarisch)

 

Warum Philosophie studieren ?

In Anbetracht der unter dem Namen ´Globalisierung` angesprochenen Problembereiche und Fragehorizonte wird der Philosophie nicht nur in der kulturellen Öffentlichkeit sondern auch seitens der technologischen Einzel- wissenschaften vermehrt hohe Bedeutung zuerkannt. In vielen Teilen der Welt hat die technische Revolution einerseits zu enorm verbesserten Lebensbedingungen geführt. Andererseits ziehen die Wirbelstürme  welt- weit expandierender Technisierung und Ökonomisierung Verwüstungen bislang unbekannter Ausmaße nach sich.

Gegensteuerungsmaßnahmen mittels gesteigerter technologischer Hoch- rüstung reichen nicht aus. Auch politische Kurskorrekturen gestalten sich angesichts zunehmender Komplizierung und Dynamisierung gesellschaft- licher Veränderungsprozesse aufwendiger als je zuvor. Und diese gewinnen weiter an Fahrt. In keinem Zeitalter vorher haben sich Lebensgewohn- heiten und Überzeugungen derart schnell gewandelt und das Gesicht der Erde verändert – in vielerlei Hinsicht entstellt. Im Zuge des anhaltenden Aufschwungs der Wissenschaften und ihrer Anwendungsbereiche wächst nicht allein die Gefahr ungewollter Folge- und Nebenwirkungen, sondern auch diejenige des Missbrauchs. Licht in die von ihnen mitverursachten Schattenseiten zu bringen ist selbst ein vorrangiges Ziel der Forschung.

Ob sich mit ihr auf lange Sicht die Schatten vertreiben lassen oder diese –vielleicht in verwandelter Gestalt und dramatisch verstärkt– wiederkeh- ren ist eine der bewegendsten Fragen gegenwärtiger philosophischer Auseinandersetzung. Und diese verweist wiederum auf Fragen, die jeweils unter anderen epochalen Voraussetzungen die Philosophie seit alters her bewegen.

Parallel zum steigenden Wohlstand setzen sich besorgniserregende Tendenzen von Ungerechtigkeit, Hunger, Armut, Krieg und Krankheit fort. In Weltgegenden materieller Sättigung entstehen neue Formen gleichsam inneren Hungers und innerer Verarmung sowie neue Formen von Krankheit und Gewalt – nicht zuletzt gewaltige Eingriffe in den Haushalt der Natur. Diese Tendenzen bilden den Hintergrund für ebenfalls zunehmende welt- umspannende Diskurse unter Beteiligung nahezu sämtlicher Wissen- schaftsdisziplinen. Allein schon die dabei thematisierten ethischen und ästhetischen Fragen sind kaum noch übersehbar. Sie richten sich ver- stärkt an die Philosophie und fordern diese zu Stellungnahmen heraus.

Hinsichtlich der skizzierten Probleme einerseits und der wachsenden Bedeutung der Philosophie andererseits ist bedauerlich, dass dieses Fach an vielen Schulen – auch Hochschulen – ein eher kümmerliches Dasein fristet. Erste Anzeichen einer Trendwende lassen sich an Vorhaben ablesen, an Schulen verstärkt das Unterrichtsfach ´Philosophie/Ethik` einzuführen mit einem korrespondierenden Ausbau entsprechender Studiengänge.

Die EuroSwiss Universität unterstützt diese Trendwende mit dem Ziel, der Philosophie nicht allein in der Bildung, sondern auch in Wirtschaft und Kultur vermehrt Geltung zu verschaffen. Sie schliesst sich einer Erklärung der Allgemeinen Gesellschaft für Philosophie in Deutschland e.V. und der Fachverbände Philosophie und Ethik e.V. an, aus der wir einen Auszug zitieren, der die Bedeutung der Philosophie für die Gegenwart in wenigen Worten zusammenfasst:

Die Philosophie ist eine systematische Wissenschaft. Auch wenn sie im Lauf ihrer über zweitausendjährigen Geschichte fortlaufend Themen und Probleme an immer neu entstehende Einzeldisziplinen abgegeben hat, so hat sie in ihrer wissenschaftlichen Substanz dabei nichts verloren. Ihre systematischen Orientierungen durchdringen die Einzelwissenschaften. Sie versuchen ihnen Grund und Zusammenhang zu geben. Sie bemühen sich darüber hinaus, die praktischen Aufgaben des Wissens zu bestimmen. Das Mehr des Wissens macht die ´Liebe` zur Weisheit heute so aktuell wie zu Zeiten des Sokrates.

In ihrer langen Geschichte hat die Philosophie einen unermesslichen Fundus an theoretischem und praktischem Wissen angesammelt. Des- halb tut sie gut daran, sich ihrer großen Tradition immer wieder zu  vergewissern. Sie ist somit auch eine historische und das Historische reflektierende Disziplin.

Das philosophische Wissen besteht keineswegs nur in Beiträgen zur Fun- dierung der einzelnen Wissenschaften, auch nicht nur in den Beständen der Ethik, der Politischen Philosophie oder der seit Platon betriebenen Ästhetik. Die Philosophie ist bereits in ihrer Art zu fragen, zu argumen-tieren, zu kritisieren sowie ihrer unvergleichlichen Art, Wissen und Kunst zu vermitteln, eine der ältesten Kulturwissenschaften der Menschheit. Sie kann uns in vielem belehren, was in den stets krisenhaften Erscheinungen einer Gegenwart Halt und Hilfe geben kann.

Neben den Sprachen, der Geschichte, der Kunst und den Religionen ist die Philosophie ein Bildungsträger ersten Ranges. Sie ist an keine nationalen Grenzen gebunden, umgreift Geistes-, Gesellschafts- und Natur- wissenschaften, zieht notwendig Momente der Praxis ein und ist, durch ihren systematischen Anspruch, niemals bloß auf historische Bestände festgelegt. Da sich die Philosophie als ein interdisziplinäres Projekt versteht, vermag sie in besonderer Weise integrierendes Denken zu fördern und reflexive Kompetenzen zu vermitteln.“

(Konstanzer Erklärung, 1999)